01.05.2017

Destroit// Found Footage// Soundfragmenten der Serie “Dexter“// 11:56min// 4:3// 2012

Einer YouTube-Statistik zufolge werden täglich Videos mit einer Gesamtdauer von mehreren hundert Millionen Stunden wiedergegeben und Milliarden Aufrufe getätigt. Insgesamt entfallen beinahe ein Drittel aller Internetnutzer_innen auf das Videoportal. Das beweist, dass ein großer Teil unserer Gesellschaft versucht, sich mit Hilfe der sozialen Netzwerke ein Gehör zu verschaffen und ein starkes Mitteilungsbedürfnis besitzt. Besonders deutlich wird dies in Jennifer Mattes Videoarbeit Destroit (2012). Wie der Titel, eine Wortverschmelzung aus „destroy“ und „Detroit“, schon nahe legt, zeigt die Videokünstlerin den Verfall der ehemaligen Industriemetropole Detroit anhand von gefundenem Filmmaterial und Sound-Mittschnitten aus der Serie Dexter auf. Zerstörte Häuser, verlassene Grundstücke und leere Straßen als Folge der Automobilkrise und Abwanderung aus der Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bilden den thematischen Schwerpunkt der Arbeit. In dieser Arbeit wird besonders deutlich, wie nahe Aufschwung und Verfall beieinander liegen. Die Kehrseite des kapitalistischen Systems und die damit verbundene Flucht der Gesellschaft aus der ehemaligen Industriemetropole ist die Hauptaussage der Aufnahmen. Detroit steht sinnbildlich für das Scheitern und den Rückzug einer Gesellschaft, die in ein Abhängigkeitsverhältnis zur Automobilbranche geraten ist und vom Erfolg nur zeitweise profitieren konnte. Darüber hinaus schafft Jennifer Mattes anhand eines Amateurfilmers, der in einem Teil des Videos selbst auftritt, einen sehr persönlichen Zugang. (Text: Julia Sterr, Kunstverein Gegenwart, Leipzig)

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