13.03.2018

CV

                        * 7. Mai 1982 in Stuttgart, Deutschland



PRICES// SCOLARSHIPS


2017                “Pixel, Bytes und Film“ ORF, ARTE CREATIVE, BKA Abteilung III, Akademie der bildenden Künste Wien
                        Auslandsatelier Video-und Medienkunst, BKA
                        Start-Stipendium Video-und Medienkunst, BKA
                                                                                                     
2016                Arbeitsstipendium, Akademie der bildenden 
                        Künste Wien und BKA
    
2014                Birgit Jürgenssen Preis, 
                        Akademie der bildenden Künste Wien

2008                1. Preis, DieVeranda 2008,
                        “Bitte ziehen sie eine Nummer”, Wien                             
                        Agitas Arts Sponsorship, Kunsthalle und 
                        dieAngewandte



 EXHIBITIONS



2017                Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 45cbm (SOLO)  
                        Videonale 16, Kunstmuseum Bonn
                        Startpointprice Selection, Arti et Amicitiae, Amsterdam
                        Kunstverein Graz, TORTUGA 3 KÖRPER {HEFT 2} KÖRPERDINGE (SOLO-Screening)
                        XHIBIT, PROTHE(S)IS AND POSTHUMAN COMPLICITIES, Akademie der bildenen Künste Wien 
                        CINEMA NEXT, TOPKINO Vienna (SOLO-Screening)
                        openMARX Vienna, TORTUGA 3 KÖRPER {HEFT 2}, KÖRPERDINGE (SOLO-Screening)
                        “Tragedy“, A screening hosted by MEME at Communitism, Athen
                        Open Stduio Day, Vienna Art Week 
                        
2016                Startpointprice, National Gallery Praha, Prag
                        Bewährungsprobe”, Depot, Wien (SOLO)
                        “Ada”, temporäres Kunstprojekt, Wien (SOLO)
                        Kunsthalle Exnergasse,”search form” Golden Pixel Cooperative, Wien
                        Kunstverein Gegenwart e.V., „kehrtwenden:weitergehen“, Leipzig
                        
2015                Kunstraum Niederösterreich, The Social Glitch, Wien
                        Mandelkernproject, DISKOSPRITE, Wien
                        Vanishing Points, Isfahan, Iran
           
2014                Birgit Jürgenssen Preis, Akademie der bildenen Künste Wien (SOLO) 
                        Limited Access Festival, Vanishing Points, Teheran  
                        IN DER KUBATUR DES KABINETTS, Wien
                        Das Weisse Haus, WE ARE HERE BECAUSE YOU WERE/ARE THERE, Wien
                        ARSENALE, Objekt 22, Wien

2013                Mumok Kino, Proben aufs Exempel, Wien
                        30. Kassler Dokumentarfilmfestival, Kassel
                        Brunswick Art Space, Melbourne
                        Lafin C´estmerde, Wien
                        Friday Exit, Wien
2012                Rundgang Akademie der Bildenen Künste Wien, Hello World – Travelling in Progress

2011                ANFANG DAZWISCHEN UND ENDE, Garelligasse 6, Wien

2010                Filmriss, Salzburg
                        EIGHTEEN, Screening, Fluc, Wien
                        Bildetage, Wien (SOLO)

2009                15. Europäisches Kurzfilmfestival unabhängiger Autoren 5. Berliner Film Fenster, Berlin
                        Rundgang Akademie der Bildenen Künste Wien, 2009
                        C17, Wien

2008                First Frame Festival, New Delhi
                        Rundgang Akademie der Bildenen Künste, Wien
                        „Bitte ziehen sie eine Nummer“ Die Veranda, Wien
                        Die Sauna, Konzerthaus im Brut, Wien
                        Europäischer Monat der Fotografie, Wien
                        Kurzfilmfest Oberschöneweide
                        Ballhaus Ost, Berlin
                        Die Parabel, Theater Drahtseilakt, Graz

01.05.2017

based in vienna and stuttgart

M. jennifer.mattes@gmail.com

Links for more information see below//

PORTFOLIO//TEXT

SCHIFFBRUCH MIT ZUSCHAUER// work in progress// 29:01 min// 2018

Die Geschichte beginnt im Universum eines kleinen Bildes. Vor Kythera liegt ein Schiffswrack im Wasser. In einer Achse mit diesem Schiff liegt ein hier gestrandetes Flüchtlingsboot. Dieses Bild steht stellvertretend für alle Schiffbrüche im Mittelmeer. 

1718 malte der französische Maler Watteau das Gemälde „Einschiffung nach Kythera“. Kythera - Bild für ein Reich der konfliktfreien Liebe und Geburtsort der Liebesgöttin Aphrodite. Von der Wahrnehmung des “Ancien Régime“ ausgehend, 
galt Kythera weniger als politischer Wunschtraum, sondern vielmehr als Rückzugsort der adligen Gesellschaft von der Politik, ein Ort an dem man sich ganz den Liebesabenteuern hingeben konnten, 
hin zu völliger Befreiung von politischer Verantwortung, ausgedrückt in dem Symbol der Reise zu dieser Insel als soziales Wunschbild.

Das Bild der Seefahrt als Metapher und Gleichnis für den Lebensweg, der ständige Anpassung, Bedrohung und Herausforderung beinhaltet - Seenot, Schiffbruch, Überleben -  wird in anderen Bildern weiter erzählt. Auf Beziehungen, auf das Scheitern 
eines Individuums, einer Gesellschaft, einer Politik und der Liebe übertragen. Aber Liebe meint hier auch die Nächstenliebe. 
Die Bilder und ihre Geschichten im Film überschlagen sich und verlaufen sich immer wieder im Sand. So wie sich Wellen überschlagen und am Strand brechen, bricht auch die Erzählung. 
Alles bewegt sich. In riesigen Menschenströmen. Über das Meer. Auf der Flucht. Gibt es Dinge, die aus dem Nichts entstehen, ohne Grund? 



Die Geschichte dieser Reise nach Kythera steht für die vielen “Reisen”. Aus vielen Gründen - politischen, wirtschaftlichen, religiösen oder persönlichen. 
Die Insel, und viele andere Inseln im Mittelmeer, werden zur Auffangstelle, zur Zwischenstation. Wie zwischen Leben und Tod. 
Unsere Schiffbrüchige steigt aus den Wellen, ziemlich albern, aus den Schaumkronen, stolpert an Land, so wie damals die Liebesgöttin Aphrodite..

video on vimeo
PW: write me a mail!!











SEA YOU BY THE SEA, im Rahmen der Ausstellung Posthuman Complicities

Ausstellungsansichten kunst-dokumentation.com
"Posthuman Complicities" kuratiert von Lisa Stuckey & Andrea Popelka,
xhibit art space, Akademie der bildenden Künste Wien, 2017

Sea You Bye The Sea (English)
Abyss and island. Dream and nightmare. Love and death. Eternal places. Eternal night. Prisons with a sea view. Below and above the sea level. The myth of the journey to the island of love ends in turning away from the world. At the bottom of the sea, where the blue gold has turned into black. Into a fiction. Into a projection. Everything here and there becomes endless. The reversal of the inverted world is a reversal. 

Teil 1
Monitor, Kopfhörer
HD und Found Footage, Sound
09:15 min,16:9, Loop

Teil 2
Bodenprojektion auf graue Holzplatte: Größe: 2,25x 1,50 m
14:08 min, 16:9, Loop 
Tiefseebildmaterial 

video on vimeo Part I (Monitor) // Part II (Groundfloor)







STATE OF STAGE (RELOAD)// Staatliche Kunsthalle Baden-Baden// 45 cbm// 14:36 min// 2017








Kinoteppich, Vorhang1 Glitzerstoff, Vorhang 2 Bühnenmolton, Zwei LED Leisten, Spiegel, Projektion, Beamer, Sitzbank, Lautsprecher liegend 


Der Boden ist mit einem Kinoteppich mit Sternenmotiv ausgelegt und grenzt an den Eingangsbereich der Kunsthalle. Er erinnert an einen umgedrehten Himmel, oder einen “Walk of Fame”. Etwas weiter in den Raum hineinversetzt, befindet sich der Eingang. Dieser ist mit einem silbern glitzernden Vorhang, der an Raumfahrt oder an Weltraum erinnert, irgendwie glamourös, verschlossen. Wie ein Lockstoff, der sich dem Körper, in seiner Stofflichkeit einer zweiten Haut anschmiegt, soll er den Betrachter dazu einladen, den Raum dahinter zu begehen. Durch diesen Vorhang betreten wir die ”Schleuse”. In schummrigem LED Licht, das auf einer Leiste auf 2,20 Höhe an der Wand hinter dem Eingang angebracht ist, befinden wir uns erneut hinter einem zweiten Vorhang, der in den sich öffnenden Raum von 4 Metern Höhe in einem klassischen Faltenwurf harabfällt. Dieser Vorhang ist aus schwarzem Bühnenmolton. Wir gehen durch ihn hindurch und befinden uns in dem Raum dahinter. An der Wand uns gegenüber fällt der Blick in einen schmalen Spiegelstreifen, der den Raum optisch vergrößert. Hier spiegelt sich unser Bild und das der Projektion, das in diesem Moment des Betretens auf uns fällt. Unser Körper wird durch den performativen Akt des Hindurchschreitens durch den Zweiten Vorhang zur Projektionsfläche selbst. Als Publikum werden wir plötzlich zu den Akteuren innerhalb dieser Raumsituation. Obwohl wir “hinter“ der Bühne stehen, befinden wir uns plötzlich “auf“ der Bühne, doch glamourös ist es hier nicht mehr. Der Spiegel uns gegenüber erinnert an die Projektionsfenster im Kinosaal, doch aus ihm kommt nicht der Film, im Gegenteil wird er zu unserem Abbild und zum Refexionsinstrument der Projektion, die durch den Beamer auf den Molton fällt und das Bild psychedelisch und organisch verformt. Da wo sich ebenso die Leinwand befinden könnte, befindet sich nun der Spiegel und eröffnet uns den Blick auf uns selbst und in einen virtuellen Raum “dahinter“, sich aus der Spiegelung des Raumfragments mit Projektion ergebend. Wir stehen im “Rampenlicht” des Beamers, der die morbiden Bilder der verlassenen Kinos und Theater auf den Molton projiziert, bekommen Schauspielanweisungen, hören Schreie, ein sich aus den geschnittenen Tonfragmenten erzeugten Monolog, oder Dialog. Der Teppich mit den Sternen ist am Boden verlegt, aber er ist kaum noch sichtbar. Nur durch das weiche Auftreten erinnert er uns an ein Zuhause. Am Ende des Raums befindet sich am Boden eine weitere LED Leiste, die ausser des Beamers, der auch die abgewandelte Funktion des “Scheinwerferlichts“ übernimmt, die einzige Lichtquelle im Raum darstellt, sowie eine Sitzbank.

Die Videoarbeiten von Jennifer Mattes (* 1982 ) siedeln an der Schnittstelle verschiedener Genres, darunter Dokumentar- und Essayfilm, Hollywoodkino oder Youtube-Clip. Ein Kennzeichen ihrer künstlerischen Praxis ist die Arbeit mit bestehendem Filmmaterial aus den visuellen Datenbanken des Internets – sogenanntem Found Footage – das sie zu neuen Erzählungen kombiniert. Zusammen mit selbst gedrehten Filmsequenzen ergeben sich hieraus präzise Analysen zeitgenössischer Bildkultur sowie humorvolle Kommentare zu ihren favorisierten Themen Suche, Scheitern, Liebe und Begehren. 
Im Studioraum 45cbm der Kunsthalle wird die Künstlerin ihre Videoarbeit „State of Stage“ (2013) in einer ortsspezifischen Installation neu präsentieren. In montierten Szenen kreist „State of Stage“ um die performative Herstellung individueller Selbst- und Fremdbilder auf der Bühne des Lebens wie im virtuellen Raum neuer Medientechniken. Kernstück des Videos bilden die von anonymen Internetnutzern gefilmten Ortsbegehungen verlassener Kinos, die Mattes auf der Videoplattform Youtube aufgespürt hat. In Kombination mit weiteren Filmfragmenten und Tonspuren aus dem Netz hat die Künstlerin diese zu einer Meta-Erzählung über theatrale Räume und identitäre Rollenspiele verdichtet. Während der Monolog einer Schauspielerin aus dem Off den Betrachter in reflexiver Distanz zum Bildgeschehen hält, übertragen Tondramaturgie und kalkulierte Spannungsbögen die affektiven Markierungen von Theater und Kino auf die Rezeptionssituation der Ausstellung. In ihrem Entwurf für Baden-Baden – der Einrichtung eines Backstage-Bereichs, der zugleich die spezifische Raumsituation des Kunsthallen-Entrées in sich aufnimmt – wird Mattes diesen Wirkungseffekt gezielt inszenieren. Text zur Ausstellung: Marie Himmerich 

TIME TO STAY GOODBYE - THE CASE// Kunsthalle Exnergasse, Wien im Rahmen der Ausstellung “SEARCH FORM“ kuratiert von Golden Pixel Cooperative// 29:12 min// 16:9// 2016

Glaskörper, Rückprojektion, Speaker-Sockel, Minibeamer,
29:12 min,16:9

Am Anfang war das Rätsel. Und der Koffer. Koffer voll irgendwas. Bilder, Informationen, Erinnerungen, Müll. Aufgeblasen wie ein Ballon, der zu schwer zum Fliegen ist. Alles hat einen Gemeinplatz, der das Bilderbuch, die Bibliotheken von Babel, die Müllhalden vereint. Nennt es Archiv oder Kanon oder Gedächtnis, auf den Namen kommt es nicht an. Irgendwo dazwischen bewegt sich eine Erinnerungskultur. Die Projektionsfläche. Erst die „archivarische Geste“, ein Akt der „Konsignation“, eine Verortung in ein Zeichensystem macht das Archiv, macht den Autor, den „neuen Archivar“. Welches ist die zu erzählende Geschicht? Hier ist meine Bühne, mein Land, meine Grenze, mein Selfie. Dies ist das Archiv. Der Urlaubsort. In den ich eintauche - Das Meer. Das Bildermeer. Wo ist sein und mein Ursprung? In der Projektion des Subjektiven wird er unser Ozean, unser Unser, unsere Ermittlung, unser Forschungsgegenstand. Suchen bestimmt diese Suche. Denn dieser Ort benennt Dinge, die dadurch erst zu Dingen werden. Während man findet.


Das kollektives Gedächtnis wächst in Bilderhalden und wickelt sich um unsere Bewegungen, Träume und Sehnsüchte. Bis an den Grund des Meeres. Bis ans Ende der Erinnerung. Immer Mythos. Von hier aus schauen wir ins Leere. Schiffbruch mit Zuschauer. Und Taucher. Zwischen Auftauchen und Ertrinken. 

video on vimeo







A DIVE// Part 1: 22:44 min,16:9// Part 2:19:10 min, 16:9// Installation for aDa 2016








A DIVE, Part 1
Rückprojektion
Installation im Loop
Found Footage, Sound
22:44 min,16:9
2016

Part 2
Videoprojektion, Spiegel
Installation im Loop
Found Footage
19:10 min, 16:9 


TRADING STORIES - A Cargo Named Desire// HD und Found Footage// 41:56 min// 16:9// 2015

“Wer romantisch bleibt, obwohl er dazulernt, der wird ein Ungeheuer. Wer nicht dazulernt, aus dem wird ein Narr.”


Lange ist sie da draussen, auf der hohen See der Bilderwelt, in diesem Meer des gefilmten Verstummens umhergetrieben. 
Und schließlich wird sie jemandem vor die Füße gespült. 
A MESSAGE IN A BOTTLE. Ein versiegelter Fetzen Bilder und Worte mit keinem Adressaten, 
außer dem Zufälligen, der ihn findet und zu sehen beginnt. 

Trading Stories ist eine Spurensuche und erzählt eine, oder mehrere Geschichten 
über das Geschichten erzählen und über Liebe. Aber er erzählt keine Liebesgeschichte. 
Basierend auf einer Reise von Hamburg nach Qingdao im Jahre 1905 
von einem Urgroßvater der Regisseurin, begab diese sich auf dessen Spuren mit einem Containerschiff. 

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video on vimeo// Engl. subs








DISKOSPRITE// HD und Found Footage// 12:14 min// Installation// 4:3// ROXETTE (mit Michael Gülzow)// 2015

Auf einem alten Röhrenbildschirm, der neben einem noch älteren VHS Gerät steht läuft ein Video. An der Wand hinter dieser Anordnung hängt eine Reihe alter Poster mit Bildern von Musikgruppen und Stars aus dem deutschen Jugendmagazin “Bravo”. In dem Video sieht man eine nicht identifizierbare Person ein Fahrrad  eine dunkle Allee hinaufschieben und dabei Alkohol trinken. Diese Szene erinnert an jene aus Horrorfilmen oder Thrillern, bevor der Protagonist attackiert werden wird. Die Kamera nähert sich der Figur, aber nichts passiert, weil der Schmerz schon da ist, versteckt unter einem Hasenkostüm, das die Person trägt.

video on vimeo















Viertel nach Eden// HD// 27:06min// 16:9// 2014

Stell dir vor, es ist Paradies und du musst bleiben

video on vimeo












STATE OF STAGE// Found Footage// 14:36 min// 4:3// 2013

Virtuelle Abbilder verlassener Bühnen und Theater werden zum fiktiven Set der Akteure auf ihrer Suche nach Identität, nach einer Rolle. Alles beginnt mit dem Blick auf den Screen und endet mit dem Blick aus ihm heraus. Durch Eintauchen in subjektive Sichtweisen und Perspektiven werden Beobachter zu Beobachteten. Ein Rolletausch wird inszeniert

video on vimeo























Hello World! (travelling in progress)// Videoblog aus dem “TRADING STORIES” (2015) zu Grunde liegenden Reisebericht von 1905


world-wide-wayfarer.blogspot.co.at

Aufgrund eines von meinem Urgroßvater überlieferten Reiseberichts von 1905, in welchem er mit der damaligen Marine von Hamburg nach Qingdao in die erste Überseekolonie des noch bestehenden Kaiserreichs unterwegs war, begann ich mich für dieses Thema zu interessieren. Später würde hieraus der Film TRADING STORIES hervorgehen (s.o.).

Bei meiner Recherche gelangte ich zu den Ergebnissen, dass es sich bei dieser Strecke um eine heute stark befahrenen und sehr wichtigen Seeweg handelte, einem Kontext unsichtbarer globaler Marktstrukturen, fernab von unseren Gesellschaften, Befindlichkeiten und unserem Bewußtsein. Jedoch inmitten eines Mythos aus Sehnsucht, Fernweh und Urlaubsfantasien.

Die nüchternen Tagebucheinträge übernahm ich als Untertitel für die einzelnen virtuellen Reisestationen und Blog-Einträge. Hieraus entstand dann der nachfolgende Videoblog in Tagebuchform aus dem ursprünglichen befremdlichen Beschreibungen dieses mir Fremden Gefreiten Rüger und den Bildern fremder Menschen, die diese Videos zu den jeweiligen Orten hochgeladen hatten. Ich beließ die Originalsoundspuren meiner “Reiseautoren”, wie auch die original Textauszüge meines Urgroßvaters, um die Authentizität des Research-Blogs zu erhalten. Wie auch der Bericht von 1905 irgendwann festgehalten, und somit überliefert wurde in das Jahr 2012, so bleiben auch die teilweise mittlerweile gelöschten Videos der User durch meine Rekontextualisierung für die Nachwelt erhalten und stehen für die digitalen Spuren, die sich trotz ihrer Unsichtbarkeit - gleich des für uns "unsichtbaren" Seehandels - in die Geschichte und virtuelle Welt einschreiben.


Bild des Dampfers "Sylvia"
Bucht von Qindao








Destroit// Found Footage// Soundfragmenten der Serie “Dexter“// 11:56min// 4:3// 2012

Einer YouTube-Statistik zufolge werden täglich Videos mit einer Gesamtdauer von mehreren hundert Millionen Stunden wiedergegeben und Milliarden Aufrufe getätigt. Insgesamt entfallen beinahe ein Drittel aller Internetnutzer_innen auf das Videoportal. Das beweist, dass ein großer Teil unserer Gesellschaft versucht, sich mit Hilfe der sozialen Netzwerke ein Gehör zu verschaffen und ein starkes Mitteilungsbedürfnis besitzt. Besonders deutlich wird dies in Jennifer Mattes Videoarbeit Destroit (2012). Wie der Titel, eine Wortverschmelzung aus „destroy“ und „Detroit“, schon nahe legt, zeigt die Videokünstlerin den Verfall der ehemaligen Industriemetropole Detroit anhand von gefundenem Filmmaterial und Sound-Mittschnitten aus der Serie Dexter auf. Zerstörte Häuser, verlassene Grundstücke und leere Straßen als Folge der Automobilkrise und Abwanderung aus der Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bilden den thematischen Schwerpunkt der Arbeit. In dieser Arbeit wird besonders deutlich, wie nahe Aufschwung und Verfall beieinander liegen. Die Kehrseite des kapitalistischen Systems und die damit verbundene Flucht der Gesellschaft aus der ehemaligen Industriemetropole ist die Hauptaussage der Aufnahmen. Detroit steht sinnbildlich für das Scheitern und den Rückzug einer Gesellschaft, die in ein Abhängigkeitsverhältnis zur Automobilbranche geraten ist und vom Erfolg nur zeitweise profitieren konnte. Darüber hinaus schafft Jennifer Mattes anhand eines Amateurfilmers, der in einem Teil des Videos selbst auftritt, einen sehr persönlichen Zugang. (Text: Julia Sterr, Kunstverein Gegenwart, Leipzig)

 video on vimeo

























Surfing the Surface Lesson 1 - Surfisticated (I always wanted to be an artist. Where is my Mojo?)// Found Footage// 07:06 min// 4:3// 2012






























Hard(Life)Drive - Aus dem Leben einer Festplatte// Videocollage// Blog// Text// 07:43 min// 2011





TEXTAUSZÜGE 

“mein tag ist ein kaffeefleck im notizbuch. irgendwie störend und doch so bekannt, dass sein anblick mich mit einer gewissen wärme erfüllt und beruhigt. zu gast bei mir: gast auf lebzeit. ... das mit dem vergessen ist so eine sache. man könnte es so sehen. ein ende ohne zensur ließe auf sich warten. und wie jazzmusik, die sich nie entscheidet, die ein auf und ab ist, sich mal gut fühlt und dann wieder traurig wird, ist heute der tag sinnlicher frustration... just in diesem moment sucht mich das gefühl des betrugs heim. wo das jetzt herkommt, kann ich nicht genau sagen, mir aber denken. es gründet in mir. also muss ich dagegen angehen. meine pflicht als ehrenwertes mitglied dieser gesellschaft, nämlich meiner eigenen, erfüllen. 

RITSCHRATSCH-KRIMMSKRAMMS-LEBENSGEFAHR IM PENTHOUSE!!!

habe wiedermal auf dem heimweg meine attacke bekommen und beschlossen - aus gesundheitlichen gründen - besser nicht nach hause zu gehen. und die verzweiflung über mich selbst ließ mich an meiner wohnungstüre vorbeischweben und flog mich direkt in meine stammkneipe ums eck... klarheit, wenn sie eine farbe wäre, vermischt sich in neuen, bisher unbekannten, noch nie dagewesenen mustern. fortschritt durch vermissen. ich bin farbenblind.. abschließend das innere gleichgewicht befragend..”